Inhalt:

Auf ein Wort, Herr Churchill

Über die App "Text mit Geschichte" chatten SchülerInnen mit einer KI, die als historische
Person auftritt. Die Anwendung dient im Unterricht nicht der Simulation historischer Gespräche, sondern als Ausgangspunkt für die Analyse und De-Konstruktion KI-generierter
Geschichtsdarstellungen. Die SchülerInnen hinterfragen dabei systematisch, wie Geschichte im Chat konstruiert wird und welche Grenzen solche Darstellungen aufweisen.

Dauer 1 bis 2 Unterrichtseinheiten
Schulstufe ab der 8. Schulstufe
Methodisch-didaktische Hinweise

KI-generierte Geschichtsdarstellungen analysieren und dekonstruieren

Die SchülerInnen setzen sich kritisch mit KI-generierten Darstellungen historischer Personen auseinander. Sie erkennen, dass Chatbots keine historischen Subjekte repräsentieren, sondern gegenwärtige, selektive und narrative Konstruktionen von Geschichte erzeugen. Durch die Analyse der Chatverläufe hinterfragen sie die dargestellten historischen Aussagen, formulieren eigene historische Fragen und reflektieren die Grenzen sowie Problematiken solcher KI-basierten Geschichtsdarstellungen.

Materialien KI-Chatpot Apps
Kompetenzen politische Urteilskompetenz, politische Methodenkompetenz, histori-sche Fragekompetenz, historische Sachkompetenz
Quelle/Autor

aus Mit der KI in der Politischen Bildung spielen. Spielen mit – durch – über KI | Autor: Peter Gatringer

Aktualisiert 21.4.2026

 

Ablaufbeschreibung

 

Thematische Hinführung

Für das Chatten mit historischen und politischen Persönlichkeiten existieren mittlerweile zahlreiche Anbieter in Form von Apps, Websites und vorgefertigten Prompts für KI- basierte Sprachmodelle. Diese Anwendungen inszenieren die Personen als dialogische
ChatpartnerInnen und erzeugen den Eindruck eines direkten Austausches mit der Vergangenheit.

  • Für den Unterricht in Geschichte und Politische Bildung eignen sich solche Angebote weniger zur Simulation historischer Gespräche als vielmehr zur kritischen Analyse und De-konstruktion KI-generierter Geschichtsdarstellungen.
  • Aus geschichtsdidaktischer Perspektive wird zwischen Vergangenheit und Geschichte unterschieden. Während Vergangenheit nicht mehr zugänglich ist, entsteht Geschichte als gegenwärtige Konstruktion auf Basis selektiver Darstellungen, narrativer Sinnbildungen und spezifischer Perspektiven.

Chatbasierte Anwendungen Künstlicher Intelligenz mit historischen und politischen Personen sind daher weder historische Quellen noch authentische Stimmen
der Vergangenheit, sondern Darstellungen von Geschichte, die aus gegenwärtigen Deutungsmustern generiert werden. Gerade diese Konstruiertheit macht
sie zu geeignetem Material für problemorientiertes Arbeiten.

 

Apps wie "Text mit Geschichte" bieten eine große Auswahl an historisch-politischen Persönlichkeiten an.

  • Die SchülerInnen formulieren zunächst eigene historische Fragen und informieren sich über die Antworten der Künstlichen Intelligenz.

 Diese Phase zielt auf den Anforderungsbereich der Reproduktion ab, indem zentrale Sachverhalte benannt, beschrieben und zusammengefasst werden.

  • Anschließend vergleichen die SchülerInnen die Aussagen des Chatbots mit historischen Quellen oder fachwissenschaftlichen Darstellungen.

 Dabei übertragen sie ihr Wissen auf einen neuen Kontext und überprüfen die KI-generierten Texte etwa auf Plausibilität, Perspektivität und Selektivität, womit der Anforderungsbereich des Transfers angesprochen wird.

  • In einem nächsten Schritt analysieren und dekonstruieren die SchülerInnen die Chatverläufe systematisch. Sie untersuchen, welches Geschichtsbild vermittelt wird, welche Narrative reproduziert werden und welche Aspekte ausgeblendet bleiben. Dabei reflektieren sie auch, inwiefern komplexe historische Prozesse personalisiert, vereinfacht oder moralisch entlastet dargestellt werden.

 Diese Phase zielt auf die Rekonstruktion sowie auf die Bildung von Werturteilen ab und fördert insbesondere die historische Fragekompetenz, politische Urteilskompetenz sowie Methodenkompetenz.

  • Ergänzend bearbeiten die SchülerInnen Reflexionsfragen. Sie beurteilen, ob und in welcher Form das Chatten mit bestimmten historischen und politischen Personen problematisch sein kann, und diskutieren moralische Grenzen solcher Anwendungen, etwa im Umgang mit Gewalt, TäterInnenschaft oder demokratischen Wertvorstellungen.

 Dabei wird deutlich, dass Bewertungen historischer Personen stets gegenwartsbezogen erfolgen und selbst Teil von Geschichtskultur sind. Wie Bücher, Filme oder Videospiele, reproduziert Künstliche Intelligenz keine Vergangenheit, sondern erzeugt spezifische Darstellungen von Geschichte.

 

Das Ziel ist die Förderung eines (selbst-)reflexiven Geschichtsbewusstseins, das historische Darstellungen kritisch hinterfragt, ihre Bedingungen analysiert und ihre Wirkungen einschätzt.

 

Unterlagen für die Übung

Gesamte Übung [pdf, 64 KB]

Zentrum polis - Politik Lernen in der Schule, Helferstorferstraße 5, 1010 Wien
T 01/353 40 20 | service@politik-lernen.at