Inhalt:

Mit dem schwarzen Tod im Dialog

In dieser Didaktisierung agieren die SchülerInnen als KrisenmanagerInnen in Zeiten der Pestepidemie. In der italienischen Stadt Pistoia müssen sie im Jahr 1348 zwischen Machtinteressen, Glaubensvorstellungen und Notmaßnahmen verhandeln – ohne dabei selbst der Seuche zum Opfer zu fallen.

Dauer 1 bis 2 Unterrichtseinheiten
Schulstufe ab der 9. Schulstufe
Methodisch-didaktische Hinweise

historische Simulation, Rollenspiel mit ChatGPT

Die immersive Nutzung von historisierenden Rollenspielen mit Hilfe von ChatGPT fördert die Imagination und Empathie, indem Lernende in vergangene Lebenswelten ‚eintauchen‘ und den simulierten historischen Verlauf mitgestalten. Die Simulation ermöglicht Vergleiche mit heutigen Deutungen von Pandemien und regt zur Reflexion über den Umgang mit Quellen, Darstellungen und fiktionalen Elementen an. Zudem stärkt sie die digitale Urteilskompetenz im Umgang mit KI im Geschichtsunterricht
und in der Politischen Bildung.

Prompt Im Google-Doc befindet sich der Prompt, der kopiert und in
ChatGPT eingefügt werden kann. Um auf Deutsch zu spielen, erweitern Sie den Prompt um die Zeile "Starte die Simulation auf Deutsch". Weiters finden Sie im Dokument einen beispielhaften Spielverlauf. 
Material Reflexion und die Anmerkungen des Historikers Benjamin Breen, der diese Simulation für seine StudentInnen entwickelt hat.
Kompetenzen politische Handlungs- und Urteilskompetenz
Quelle/Autorin

aus Mit der KI in der Politischen Bildung spielen. Spielen mit – durch – über KI | Autorin: Jana Schwarz

Aktualisiert 21.4.2026

 

Ablaufbeschreibung

 

Thematische Hinführung
Die Idee zu dieser Methode stammt vom US-amerikanischen Historiker Benjamin Breen (2023), der die zugehörigen Prompts ursprünglich für ein universitäres Setting entwickelte.

 

Für den Einsatz im schulischen Kontext empfiehlt sich daher eine didaktisch reduzierte und sprachlich angepasste Version. Um die Simulation passgenau auf die jeweilige Lerngruppe oder das Individuum zuzuschneiden, kann der Prompt mit Erweiterungen wie "Starte die Simulation auf Deutsch/Kroatisch/in einfacher Sprache/Erkläre Fremdwörter" angepasst werden. So entsteht ein niederschwelliger Zugang, der auch bei sehr heterogenen SchülerInnengruppen differenziertes Lernen ermöglicht. Es können auch jederzeit Zwischenfragen an ChatGPT (OpenAI 2022) gestellt werden, sollten Unklarheiten auftauchen.

 

Auch wenn das Rollenspiel vor allem einen Beitrag zur Förderung der politischen und digitalen Urteilskompetenz leistet, schafft es thematische Anknüpfungspunkte, die den Einsatz in anderen Unterrichtsgegenständen ermöglicht.

 

Damit die Methode ihr volles Potenzial entfalten kann, ist eine durchdachte didaktische Einbettung und vor allem eine intensive Reflexion entscheidend.

 

  • Die Simulation eignet sich aufgrund ihrer Komplexität eher als Vertiefung oder kreativer Abschluss, weniger als thematischer Einstieg. Die Simulation kann in verschiedenen Sozialformen erprobt werden.
  • Besonders produktiv ist der Einsatz in PartnerInnen- oder Kleingruppenarbeit: Zwei bis drei SchülerInnen übernehmen gemeinsam eine Rolle, treten über ChatGPT in Dialog mit der KI und dokumentieren, wenn von der Lehrkraft gewünscht, die Interaktion.

Die gemeinsame Entscheidungsfindung ist vor allem im Sinne der politischen Handlungskompetenz wichtig und verhindert eine bloße Aneinanderreihung fiktionaler Aussagen. Alternativ kann die Lehrkraft den Chatverlauf über Beamer oder Whiteboard projizieren und das Plenum steuert, entscheidet und reflektiert gemeinsam.

 

Nachbesprechung

Egal in welcher Form gespielt wird: Nach dem Spiel sollte die Simulation besprochen und kritisch de-konstruiert werden. Da diese Aufgabe, die vor allem im dritten Anforderungsbereich angesiedelt ist, für SchülerInnen herausfordernd sein kann, ist eine gemeinsame Bearbeitung essenziell:

  • Welche Perspektive habe ich eingenommen?
  • Welche Motivation hat mein Handeln gesteuert?
  • Welche historischen Bezüge waren erkennbar?
  • Was war realistisch – und was nicht?

Die Auswertung kann durch Vergleiche mit historischen Quellen oder Schulbuchdarstellungen vertieft werden. So wird die Simulation zum Ausgangspunkt für quellengestütztes, reflexives Lernen.

 

Transfer in die Gegenwart

Besonders wichtig ist auch ein Transfer in die Gegenwart: Die SchülerInnen können diskutieren, wie sich gesellschaftliche Reaktionen auf Seuchen im Laufe der Zeit verändert haben und welche Parallelen zur Corona-Pandemie bestehen. Dabei bietet sich die Möglichkeit, Kontinuitäten, Brüche und mediale Deutungsmuster kritisch zu beleuchten – ein Zugang, der sowohl historisches als auch politisches Lernen ermöglicht und auf die Lebenswelt der SchülerInnen Bezug nimmt.

Unterlagen für die Übung

Gesamte Übung [pdf, 57 KB]

 

Weiterführende Links

Politiklexikon für junge Leute:  Macht | Pandemie

Breen, Benjamin (2023): Simulating History with ChatGPT. The Case for LLMs as Hallucination Engines.
In: ResObscura. 

OpenAI (2022): ChatGPT

 

Zentrum polis - Politik Lernen in der Schule, Helferstorferstraße 5, 1010 Wien
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