Fremd - na und! Ein Simulationsspiel
| Dauer | 2 Unterrichtseinheiten (Ausbau durch weitere Arbeitsschritte und Angebote auf ca. 6 Einheiten möglich) |
| Schulstufe | Ab der 7. Schulstufe geeignet |
| Schwerpunktkompetenzen | Politische Urteilskompetenz Politische Handlungskompetenz |
| Methoden | Simulationsspiel, Diskussion |
| Zielsetzung |
|
|
Vorbereitung/ Materialien |
Die Klasse sitzt im Sesselkreis, je nach geplanter Spieldauer bleiben 3 bis 5 Sessel leer. Der / die LehrerIn ist Teil der Gruppe. |
|
Unterlagen / Downloads |
www.asyl.at |
| Quelle |
Ammerer, Heinrich/ Krammer, Reinhard/ Windischbauer, Elfriede: Politische Bildung konkret. Beispiele für kompetenzorientierten Unterricht. Wien: Edition polis, 2009.
Autorin: Sabine Hofmann |
Lehrplanbezug
Geschichte und Sozialkunde / Politische Bildung: Gewinnen einer differenzierten Betrachtungsweise durch Begegnungen mit dem räumlich, kulturell, zeitlich Anderen ... Schulung multiperspektivischer Betrachtungsweise als Bestandteil eines kritischen historischen und politischen Bewusstseins ...
Geographie und Wirtschaftskunde: Toleranz gegenüber dem Anderen bzw. gegenüber Minderheiten ...
Weiters: Unterrichtsprinzip Politische Bildung, Deutsch, Soziales Lernen, Psychologie und Philosophie
Methodisch-didaktische Hinweise
Mit „Fremdem" und „Fremden" umzugehen, kann sehr ambivalent sein: Einerseits können Menschen neugierig auf Neues zugehen, andererseits können Vorurteile, Ängste und Unsicherheit positive Begegnungen behindern.
Versuche, Vorurteile und Ängste durch Appelle abzubauen, sind sicherlich wenig zielführend und bergen die Gefahr der Überwältigung der Kinder in sich. Als Erfolg versprechender Weg hat es sich erwiesen, jedem Kind als vorurteilsarmer Mensch zu begegnen, Achtung vor der Würde des Andersseins, Andersfühlens, Andersdenkens zu zeigen und zu leben. Die auch heute noch verbreitete Ansicht, bloßer Kontakt würde Vorurteile reduzieren, ist zu Recht umstritten. Der erfolgreichste Weg dürfte über gemeinsame Aufgabenstellungen führen, welche Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Geschlechts usw. miteinander zu erledigen haben.
Im vorliegenden Spiel wird die Thematik des Fremdseins auf eine abstrakte Ebene transferiert und somit vom Thema „Ausländer" abstrahiert, was die Bearbeitung erleichtert, da das unmittelbare Ansprechen nicht immer dienlich sein muss. Zwar kann Fremdsein und „Ausländer-Sein" nicht unmittelbar nacherlebt und nachgefühlt werden. Diesen Anspruch stellt das vorliegende Simulationsspiel aber auch nicht: Die Konfrontation erfolgt auf einer anderen Ebene - nämlich derjenigen der fehlenden Information.
Simulationsspiel und Reflexion:
Die Dauer der Durchführung kann je nach Altersstufe variieren. Im Durchschnitt sollten für Vorbesprechung, Durchführung und Nachbesprechung / Reflexion mindestens zwei Unterrichtseinheiten veranschlagt werden. Ist geplant, die Reflexion anschließend noch in schriftlicher Form festzuhalten, sollten zwei weitere Einheiten für Abfassung und Vorstellung der Reflexionen eingeplant werden.
Ablauf
Bevor den SchülerInnen der Inhalt des folgenden Spiels erklärt wird, werden 3 bis 5 SchülerInnen (je nach geplanter Dauer des Spiels) ausgewählt, die freiwillig den Raum verlassen und die anschließende Anleitung nicht mithören.
Gemeinsam mit den SchülerInnen wird ein Thema ausgewählt, zu dem ein Gruppengespräch stattfinden soll (Beispiele: die Preise des Schulbuffets, der neue Stundenplan, die letzte Schularbeit ...).
Die SchülerInnen werden informiert, dass nun die SchülerInnen einzeln hereingeholt werden, die vorher den Raum verlassen haben. Sollten sich diese in die laufende Diskussion einklinken, werden drei Codewörter festgelegt:
- Das kennzeichnende Wort des Themas wird mit einem Phantasiebegriff belegt und so angesprochen, z.B. statt Stundenplan sprechen die SchülerInnen von „das Dingsda".
- Wenn die nicht eingeweihten SchülerInnen das Wort „und" benutzen, zischelt die Gruppe und schüttelt missbilligend den Kopf, fällt das Wort „ ich", äußert die Gruppe „na, na, na".
Der / die erste SchülerIn wird hereingeholt und aufgefordert, sich auf einen der leeren Stühle zu setzen; weiter folgt keine Erklärung, das Gespräch beginnt.
Der Reihe nach werden nun die SchülerInnen von draußen im Abstand von zwei bis drei Minuten hereingeholt; die einzige Anleitung, die sie bekommen, ist die Aufforderung, sich auf einen leeren Stuhl zu setzen.
Mögliche Reaktionen, die dann die Basis für die anschließende Diskussion bieten:
- die Gruppe ignoriert, dass die Hinzugekommenen die Spielregeln nicht kennen;
- einer (oder mehrere) der Neuankömmlinge durchschaut die Spielregeln, benützt sie auch adäquat, teilt diese aber den anderen Neuankömmlingen nicht mit;
- die Neuankömmlinge verfolgen irritiert das Geschehen und verharren in Schweigen.
Der / die LehrerIn unterbricht das Gruppengespräch, nachdem alle Neuankömmlinge sich im Kreis befinden und erklärt diesen, welche Spielregeln vorher festgelegt wurden.
Die Befindlichkeiten sowohl der Neuankömmlinge als auch der Gruppenmitglieder werden erfragt und artikuliert.
In der anschließenden Diskussion wird das erfahrene Verhalten auf das Befinden neu ins Land kommender Menschen / Asylwerbender umgelegt. In multikulturellen Klassen können nun sicher auch einige SchülerInnen ihre persönlichen Erfahrungen schildern.
Eventuell kann die Reflexion schriftlich erfolgen: Jede/r TeilnehmerIn beschreibt seine / ihre eigenen Empfindungen und Reaktionen.
Asylkoordination Österreich
Die Asylkoordination Österreich bietet verschiedene Workshops zum Thema an, von denen sich jeder für eine Anschlussveranstaltung anbieten würde (www.asyl.at). Einzuplanen sind vier Einheiten inklusive Vorbesprechung und Reflexion. Für einen Projektvormittag zum Thema bieten sich an:
- Stationen einer Flucht
- Rechtsweg Asyl
- Flucht - Ursachen und Folgen
- Vorurteile
- Rassismus




