SportlerInnen und Staatsbürgerschaft
| Dauer | mindestens 2 Stunden, je nach gewünschtem Aufwand |
| Schulstufe | 9.-13. Schulstufe, |
| Methoden | Diskussion, Rechercheaufgabe, Präsentation |
| Materialien | Flipchart |
| Kompetenzen |
Urteilskompetenz, Sachkompetenz, Methodenkompetenz |
| Zielsetzungen |
Die SchülerInnen sollen für die Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Sport und Politik sensibilisiert werden sowie ihre eigene Einstellung zum Thema Sport und Gewährung der Staatsbürgerschaft hinterfragen. |
| Lehrplanbezug |
Politische Bildung, Sport, Deutsch |
| Quelle | Servicestelle Politische Bildung (nunmehr Zentrum polis) (Hg.): Die Rolle des Sports in Gesellschaft und Politik, info-blatt zur politischen Bildung, Nr. 3, Oktober 2003. |
| Aktualisiert |
18.03.2013 |
Ablaufbeschreibung
Diskussionseinstieg
Als der in Kroatien geborene österreichische Nationalspieler Ivica Vastic im Spiel gegen Chile bei der Fußballweltmeisterschaft 1998 in letzter Minute das Ausgleichstor für Österreich erzielte, titelte die Kronenzeitung am nächsten Tag: "Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher!" Nach einer kurzen Bedenkzeit sollen die SchülerInnen zu dieser Schlagzeile eine erste Stellungnahme abgeben. Im Zuge dessen wird von ihnen auf Flipchart oder Plakat folgendes gesammelt festgehalten:
- Fragen, die sich ihnen aufdrängen; z.B.: Was ist ein "echter" Österreicher? Wäre Vastic kein echter Österreicher, hätte er den Ball neben das Tor gesetzt? Sind nicht alle österreichischen StaatsbürgerInnen gleich? Bedarf es besonderer Leistungen, damit ein im Ausland geborener Mensch als ÖsterreicherIn akzeptiert wird? Hat eine Zeitung das Recht, ein solches Urteil zu fällen? Wie stellt sich die Thematik vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Europas dar? Erhöht auch bei ausländischen NichtsportlerInnen ein beruflich erfolgreiches Leben deren Akzeptanz?
- Allgemeine Themenbereiche, die von den aufgetauchten Fragen berührt werden.
- SportlerInnen, die für Österreich Erfolge errungen haben, aber im Ausland geboren sind; Sportarten, in denen Nationalmannschaften oder Vereine mit einer besonders hohen Zahl an AusländerInnen oder eingebürgerten ÖsterreicherInnen bei Wettkämpfen antreten; örtliche Vereine, wo AusländerInnen zum sportlichen Erfolg beitragen sollen.
Internetrecherche
Paarweise oder maximal zu dritt versuchen die SchülerInnen mittels Internetrecherche (Anmerkung siehe Links) zu den gesammelten Fragen und Themenbereichen Näheres in Erfahrung zu bringen.
Beispiele für Arbeitsaufträge und Fragen für einzelne Teams:
- Sammle zu drei SportlerInnen, die im Ausland geboren sind und heute die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, Informationen zu ihrem Lebenslauf und ihren sportlichen Erfolgen. Warum leben sie in Österreich? Was sind die Gründe für ihre Einbürgerung? Wird in Zeitungsberichten auf ihre nationale Herkunft eingegangen?
- Welche Nationalmannschaften setzen sich vor allem aus im Ausland geborenen ÖsterreicherInnen zusammen? Was sagen die nationalen / internationalen Bestimmungen in der jeweiligen Sportart bezüglich des Einsatzes von eingebürgerten SpielerInnen? Aus welchen Ländern stammen die SpielerInnen? Gibt es bestimmte Gründe für die Einbürgerungen? Macht es im Erfolgsfall für die Öffentlichkeit einen Unterschied, wo SportlerInnen geboren sind? Wie sieht die Meinung bei Misserfolgen aus?
- Finde Beispiele für österreichische Vereinsmannschaften, die vor allem auf ausländische SpielerInnen setzen, um national oder international erfolgreich zu sein. Woher kommen die SpielerInnen? Warum werden so genannte "LegionärInnen" österreichischen SpielerInnen vorgezogen? Wie reagieren die Zeitungen auf Erfolge bzw. Misserfolge solcher "Legionärsmannschaften"?
- Was sagt das österreichische Recht zur Vergabe der Staatsbürgerschaft? Warum können SportlerInnen so rasch eingebürgert werden? (Information siehe Links)
Weitere Recherchemöglichkeiten
Im Zuge einer ersten Besprechung ihrer Ergebnisse mit der Lehrkraft sollen die SchülerInnen feststellen, wo noch zusätzliche Informationen hilfreich wären. In einem Arbeitsauftrag (Zeit ca. eine Woche) können die SchülerInnen beispielsweise folgendes tun:
- Fragen vorbereiten und Straßeninterviews durchführen. Fragen könnten z.B. lauten: "Einbürgerung von SportlerInnen vs. Aufnahmestopp für AusländerInnen? was halten Sie davon?", "Spielt es für Sie ein Rolle, wenn SportlerInnen aus dem Ausland für Österreich Erfolge erringen?", "Was halten sie von der Kroneschlagzeile 'Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher!' nachdem er ein wichtiges Tor für Österreich erzielt hat?"
- Selbständig E-Mails formulieren und an NGOs oder öffentliche Stellen (Ministerien, Landesregierung, Parteien) senden um nähere Informationen zu erbitten bzw. telefonische Anfragen an ebendiese richten.
- Anfragen direkt an SportlerInnen oder Vereine richten bzw. direkt in örtlichen Sportvereinen Recherchen anstellen.
- Sammeln von Berichten in Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsendungen.
Präsentation
Jede Gruppe präsentiert ihre Ergebnisse und nimmt dazu Stellung. Auch die Schwierigkeiten bei der Recherche sollen thematisiert werden. Das gesammelte Material soll anschaulich strukturiert sein. Bei entsprechenden technischen Möglichkeiten können die Ergebnisse in einem Webprojekt zusammengefasst und online zugänglich gemacht werden. Oder es entwickelt sich eine Schulausstellung daraus. Vor und nach der Recherche kann das Spiel "Positionslinie" (siehe Downloads) durchgeführt werden.
Downloads
Links + Medientipps
Themendossier: Sport und Politik
Politiklexikon für junge Leute: Staatsbürgerschaft, Migration, Ausländerfeindlichkeit
"Die Welt ist rund. Fußballträume — Fußballrealitäten". 5 Dokumentarfilme (2005).
Ein Blick in die unterschiedlichen Welten Jugendlicher von Deutschland über Tibet bis nach Pakistan. Das Begleitmaterial enthält Hintergrundinformationen, praktische Vorschläge für die Unterrichtsgestaltung und Arbeitsblätter. Empfohlen ab 10 Jahren. Im Verleih bei Baobab
Friedenspädagogik und Fair Play
Sehr ausführliche Informationen zum Thema auf der Seite des Friedensinstituts Tübingen e.V.
Zur Internetrecherche können beispielsweise persönliche Homepages, Verbandshomepages, Zeitungsartikel, Aufzeichnungen von parlamentarischen Anfragen (z.b. die Website des österreichischen Parlaments oder www.help.gv.at) herangezogen werden.
Information zur Vergabe der österreichischen Staatsbürgerschaft www.help.gv.at




