Druckansicht - Freitag 30. Juli 2010
"Verzerrte Welt". Neue Weltkartentypen lesen

 

Eine "verzerrte" Weltkarte zu Militärausgaben wird von den SchülerInen bearbeitet und kann in der Folge zu einer Diskussion über die militärischen Machtverhältnisse auf der Welt genutzt werden.




Dauerca. 1,5 Unterrichtseinheiten
Schulstufe7. bis 8. Schulstufe
SchwerpunktkompetenzenPolitikbezogene Medienkompetenz
MethodenTeilschritte einer Kartenanalyse durchgehen
Zielsetzung
  • (Alternative) Weltkarten lesen
  • Informationstransfer zwischen Karten

Vorbereitung und Materialien


  • Arbeitsblätter mit den drei Karten (je auf A4 vergrößern, färbig) – s.u. Downloads
  • Arbeitsblatt mit „Analysekärtchen“ – s.u. Downloads
Quelle

Ammerer, Heinrich/ Krammer, Reinhard/ Windischbauer, Elfriede: Politische Bildung konkret. Beispiele für kompetenzorientierten Unterricht. Wien: Edition polis, 2009.

 

Autor: Christoph Kühberger

 

Lehrplanbezug

 

Geschichte und Sozialkunde / Politische Bildung: „Der Unterricht soll Einblick in die Geschichte und Politik unterschiedlicher räumlicher Dimensionen sowie ihrer Vernetzungen geben, um die Herausbildung einer reflektierten und (selbst-)reflexiven Identität zu ermöglichen. Dabei sind besonders Interkulturelles und Globales Lernen in den Unterricht mit einzubeziehen." - „Die Auflösung der Kolonialreiche und neue Hegemonien; Globalisierung als kultureller, wirtschaftlicher, politischer Wandel (Migration, Konsumverhalten, Nichtregierungsorganisationen)."


Geographie und Wirtschaftskunde: „Leben in der >Einen Welt< - Globalisierung: Zunehmende Verflechtungen und Abhängigkeiten in der Weltwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft erkennen."


Unterrichtsprinzip Politische Bildung: „Politische Bildung soll das Verständnis des Schülers für die Aufgaben der Umfassenden Landesverteidigung im Dienste der Erhaltung der demokratischen Freiheiten, der Verfassung und der Rechtsordnung, der Unabhängigkeit und territorialen Unversehrtheit unserer Republik wecken. Auf den defensiven Charakter unserer Landesverteidigung und auf die Fragen der zivilen
Schutzvorkehrungen und wirtschaftlichen Vorsorgemaßnahmen soll dabei besonders eingegangen werden."

 

Methodisch-didaktische Hinweise

 

In unserer heutigen globalisierten Gesellschaft wird das mediale Lesen der Welt als Ganzes immer wichtiger. Dazu werden in den Massenmedien und auch schon in Schulbüchern unterschiedlichste Medien angeboten (Schaubilder, Statistiken, Weltkarten usw.). Die Betrachtung der Welt aus unterschiedlichsten Perspektiven - eben auch in Karten - wird in diesem Unterrichtsbaustein kombiniert mit dem Herausfiltern von Informationen („Lesen der Karte"). Um die SchülerInnen der Hauptschule bzw. der gymnasialen Unterstufe hinsichtlich ihrer ersten diesbezüglichen Lernwege und der sprachlichen Umsetzung zu unterstützen, wird hier ein möglicher Lösungsweg durch die Lehrerin / den Lehrer vorgezeichnet. Bei späteren ähnlichen Beispielen sollte diese Demonstration dann entfallen können.
Derartig verzerrte Weltkarten (vgl. Karte 1) sind nicht vorrangig dazu geeignet, um einfache Aussagen von ihnen ablesen zu können, sondern inszenieren vor allem die Verortung einer bestimmten erhobenen Menge (hier: Militärausgaben) an den vermeintlichen geographischen Orten, wobei der Grad der Aufblähung das Mengenverhältnis zu anderen Staaten verdeutlicht. Es ist sicherlich richtig, dass man dies aus einer Tabelle ebenso ablesen könnte, hinsichtlich der genauen Zahlen sogar präziser, doch das ist nicht das primäre Ziel solcher Karten. Sie versuchen vielmehr im Zeitalter der sich globalisierenden Welt die Verteilung auf eine neue Art zu visualisieren, um damit eine neue Perspektive zu gewinnen. So ist etwa aus der Karte 1 ersichtlich, dass die USA 2002 die meisten Militärausgaben tätigten. Man kann jedoch kaum erkennen, dass Japan den zweiten Platz einnimmt, wenngleich Japan zu den Ländern gehört, die viel Geld für das Militär ausgeben. 

 

Ablauf

 

1. Erste Annäherung an die Karte


Im ersten Schritt sollte mit den SchülerInnen das seltsame Aussehen der Welt auf der Karte 1 besprochen werden, was zu spontanen Reaktionen führen könnte. Im Anschluss werden die Informationen erarbeitet, die zum grundlegenden Verstehen der Karte beitragen. Dabei ist es sicherlich von Vorteil, die Weltkarte mit Hilfe des Overhead-Projektors oder per Computerpräsentation an die Wand zu werfen, damit die einzelnen Teile der Karte auch von allen SchülerInnen erfasst werden können (u.a. Inhalt / Überschrift, Stand 2002, Bedeutung der Farben und des Flächenmaßes, Orientierung auf der Karte). Um die Arbeit mit Karte 1 zu erleichtern, kann ein traditioneller Weltatlas herangezogen werden oder auch Karte 3, welche die Staaten aus traditioneller Sicht in den gleichen Farben präsentiert. Die Homepage von Worldmapper bietet dazu auch eine interaktive Karte an, die - fährt man mit der Mouse über das Land - auch den englischen Namen anzeigt (www.worldmapper.org/index_map.html )!


2. Was kann man aus der Karte herauslesen?

 

Kleingruppenarbeit: Die SchülerInnen erhalten nun das Arbeitsblatt mit den vorbereiteten Aussagen, die aus der Karte abgeleitet wurden. Sie sollen die Pfeile (Kärtchen siehe unten) ausschneiden und auf der Weltkarte dort positionieren, wo das, was auf den Pfeilen steht, abgelesen werden kann. Will man die Aufgabe etwas schwieriger gestalten, könnte man hier zusätzliche Kärtchen herstellen, die Aussagen vorgeben, die nicht auf der Karte abgebildet sind, oder leere Kärtchen ausgeben, die selbstständig ausgefüllt werden müssen. Je nach den Potentialen der SchülerInnen könnte man auch noch Kärtchen mit
detaillierteren Hinweisen erstellen.


3. Vergleich und Diskussion der Ergebnisse

 

Hier gilt es besonders darauf zu achten, dass die SchülerInnen keine falschen Schlüsse aus der Karte ziehen. Denn einige Staaten haben hier - im Vergleich zu anderen Ländern der Welt - zwar weniger Ausgaben, dennoch kann es sein, dass ein großer Anteil des Bruttonationalprodukts dafür ausgegeben wird. So gaben die USA nämlich 2005 4,06 % des GDP (= Gross Domestic Product / Bruttonationalprodukt) aus, während Österreich nur 0,9 % des GDP für Militärausgaben aufwendete. Qatar gab hingegen sogar 10 % des GDP aus (https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/rankorder/2034rank.html (10.2.2010)).

 

4. Die Welt in einer anderen Dimension nutzen

 

Nun sollte die zweite Weltkarte mit den Kärtchen bestückt werden (z.B. dort aufkleben). Hier versucht man das Wissen auf eine traditionelle Karte zu übertragen (Karte 2).

 

5. Erweiterungsmöglichkeiten

 

Diese Übung könnte der Ausgangspunkt für einen inhaltlichen Schwerpunkt zu den militärischen Machtverhältnissen auf der Welt sein. Man könnte die SchülerInnen dazu animieren, darüber nachzudenken, was die Karte - über ihre eigentliche Informationsabsicht hinaus - noch aussagen kann (vgl. Basiskonzept „Macht"). Einige Denkhinweise könnten sein: „Die Südhalbkugel ist ...", „Afrika verschwindet, man könnte behaupten ...", „Das bedeutet für Südamerika auch ..." o.ä. Die vervollständigten Aussagen oder andere Fragen der SchülerInnen könnten zu weiteren Recherchen führen, die den Inhalt der erstellten Weltkarte ergänzen bzw. die Karte erweitern. Aktuelle militärische Auseinandersetzungen könnten ebenfalls miteinbezogen werden und über die Gründe des jeweiligen militärischen Engagements nachgedacht werden.


Auf der Homepage von www.whywar.at wird eine Vielzahl von Angeboten gemacht, um diese Thematik zu vertiefen.

 

Unterlagen / Downloads

www.worldmapper.org bietet diese Karten zu den unterschiedlichsten gesellschaftlichen
und politischen Themen an!
Zur Erweiterung vgl. www.whywar.at

 

Links / Medientipps / Literatur

 

  • Sicherheitspolitik, Informationen zur Politischen Bildung 25, Wien 2006
  • Internationale Beziehungen I, Informationen zur politischen Bildung 245, Bonn 2003
  • Filzmaier, Peter / Fuchs, Eduard (Hrsg.): Supermächte. Zentrale Akteure der Weltpolitik, Wien 2003
  • Le Monde diplomatique (Hrsg.): Atlas der Globalisierung, Berlin 2003

 

 

 

 

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Kontakt | Information


Elisabeth Turek

T 01/42 77-274 27

elisabeth.turek@politik-lernen.at



 

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